Das Vermächtnis unserer Mütter

Viele unserer Verhaltensweisen und Denkmuster sind von klein an geprägt durch die Grundhaltung unserer Eltern, durch deren Einstellungen, Ansichten und Glaubenssätze. Vor allem unsere Mütter spielen eine große Rolle bei unseren inneren Überzeugungen. Sie verbringen meist mehr Zeit mit uns als unser Väter und so erleben wir sie in jeder Lebenslage und lernen von ihnen.


Ich habe das große Glück, eine Mutter zuhaben, die ihren Weg gegangen ist. Gegen viele Widerstände und oft auf sich gestellt, weil sie keine Unterstützung hatte. Nicht, weil niemand sie unterstützen wollte, sondern weil ihr Weg besonders war. Schon als junge Frau war ihr klar, welchen Weg sie gehen wollte und das hat sich für sich auch realisiert. Übrigens, immer mit einem unterstützenden und souveränen Mann an ihrer Seite, mein Vater.

Ich habe am Vorbild gelernt, dass ich als Frau meinem Weg folgen kann. Dass ich das tun kann, wonach mein Herz sich sehnt. Dafür bin ich sehr dankbar und ich folge dem Beispiel meiner Mutter und gehe für mich.


Spannend finde ich, dass trotz der großen Freiheit, die meine Mutter gelebt hat und noch lebt, dennoch feste Glaubenssätze in mir stecken,

wie: Sicherheit ist gaaaaanz wichtig. Du musst als Angestellte arbeiten, um dich immer gut abgesichert zu wissen.

Oder diese ablehnende Haltung zu vermögenden Menschen.

Mercedes fahren geht auch nicht (ich fahre seit Jahren Mercedes und auch mit vermögenden Menschen habe ich kein Thema mehr.)

Und da gibt es noch viele weitere Beispiele. Ängste davor, zu groß zu sein, zu sichtbar zu sein, zu wohlhabend zu sein.

Hinter all diesen Ansichten stecken Verknüpfungen.

Wer Mercedes fährt, ist rücksichtslos und egoistisch.

Wohlhabende Menschen bereichern sich an anderen und sind unmoralisch.

Da klappt es natürlich auch nicht, sich selbstständig zu machen, denn dann würde man wohlhabend und das darf man nicht.

Erkennst du die Verbindungen zwischen den Ansichten? Es ist eine ziemliche Herausforderung, sich dem zu stellen, für sich zu akzeptieren und dann mit großem Bewusstsein daran zu arbeiten, diese Ketten zu lösen.


Wir alle haben solche Glaubenssätze oder Strukturen in uns, die uns aufhalten und uns manches unmöglich machen. Wenn wir das nicht reflektieren, nehmen wir diese Ideen als unsere eigenen hin. Sobald wir aber erkennen, dass wir uns davon lösen können, weil es nicht unseres ist, befreien wir uns und leben uns mehr.

Ich habe immer wieder Gespräche mit Frauen, die mitten im Leben stehen und dennoch Konflikte mit ihren Eltern austragen müssen. Und zwar immer dann, wenn sie mutig sind, wenn sie sich mehr zutrauen. Häufig kommen dann Sätze wie:

„Nee, das machst du nicht.“

„Nein, du bleibst lieber dort, wo du dich auskennst.“

Sätze, die eine große Kraft für uns haben, weil sie eben nicht von irgendwem ausgesprochen werden, sondern von unseren Eltern. Wenn ich dich fragen würde, fielen dir sicher direkt auch einige Aussagen ein, die die aufhalten.

Mir ist sehr wichtig, eins zu betonen: Ich kritisiere hier nicht unsere Eltern. Sie habe diese Glaubenssätze auch übernommen, oder unreflektiert aufgebaut und gebe sie in bestem Wissen und Gewissen an uns weiter. Um uns zu schützen und nicht, um uns aufzuhalten.


Eine weiter Beobachtung, die ich gemacht habe ist, dass ich in manchen Bereichen gewissermaßen immun war gegen Glaubenssätze meiner Eltern. Mein Auftreten als Mädchen und Frau zum Beispiel. Ich habe mich immer schon weiblich und charming gefühlt und das war nicht unbedingt etwas, was ich so vorgelebt bekam. Das konnte ich für mich einfach sein und hatte keine begrenzenden Muster in mir.


Mehrfach habe ich nun schon erlebt, dass meine Mutter sich Dinge nicht erlaubt oder zugetraut hat, die ich getan habe. Als ich mein Haus gekauft habe und gegruselt von der krassen Verpflichtung, die ich da eingehe, hat meine Mutter meine Entscheidung bestärkt. Sie hätte sich damals nicht an einen Hauskauf getraut und hätte es doch locker geschafft im Rückblick.

Nachdem ich von meiner Englandreise zurück war, äußerte sie sich ähnlich. Sie hielt mich für sehr mutig, einfach allein diese Reise zu machen.

Das tat mir natürlich sehr gut, weil es einen Gegenpol zu all den Mustern bildet, von denen ich mich noch nicht frei gemacht habe und die mich in Gesprächen dann triggern.


Ich nehme heute wahr, dass wir uns auf einer schwesterlichen Ebene bewegen. Wir ehren uns und unsere Besonderheiten und unterstützen einander. Ich liebe es, dass ich mit meiner Mutter das leben kann, was ich mir für alle Frauen wünsche!

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